Ziegengeist oder: Waidhofen hat wieder sein eigenes Bier?

Dampfbrauerei Heinrich Ziegengeist jun. (Sammlung Erwin Böhm; Karte ohne Angabe eines Verlages)

1337 werden erstmals Brauer in Waidhofen an der Thaya erwähnt. Und fast 600 Jahre lang brodelt es in den Bottichen, gärt und reift Bier in der Thayastadt, bis 1924 mit Heinrich Ziegengeist der letzte Braumeister stirbt. Doch 2021 kehrt die Braukunst mit Evelyn Bäck und der Hopfenspinnerei wieder nach Waidhofen zurück und seit 27. November 2021 ist dieses Bier auch wieder zu erstehen (www.hopfenspinnerei.at)!

Doch zurück zum letzten Brauereibesitzer des 20. Jahrhunderts: Heinrich Ziegengeist. Er wird am 19. Februar 1865 in Waidhofen geboren. Sein Vater heißt ebenfalls Heinrich und gibt den Karriereweg vor: Er ist in den Taufmatriken seines Sohnes als „Bräumeister allhier“ tituliert. Die Mutter Aloysia ist eine geborene Hammer aus Heidenreichstein, deren Eltern eine Bäckerei betreiben.

Das Braugewerbe ist aber Vater Heinrich (geboren 4.12.1833) nicht in die Wiege gelegt worden, denn dessen Vater wiederum, Karl Ziegengeist, ist „bürgerlicher Kupferschmiedmeister“. In den Matriken findet sich danach noch der Zusatz „Augsburger Konfession“.

Im Zusammenhang mit Bier taucht der alte Heinrich erstmals in „Der Bote aus dem Waldviertel“ vom 15. August 1879 auf: Er zieht in den Gemeinderat ein und wird als „Bräuer“ beschrieben. Nicht einmal ein Jahr später, am 15. März 1880, liest man wiederum in „Der Bote aus dem Waldviertel“ folgenden vielversprechenden Bericht: „Für alle Verehrer der edlen Cervisia eine frohe Kunde: Herr Heinrich Ziegengeist, Bräumeister zu Waidhofen a. d. Thaya, hat sein Bräuhaus in ein Dampfbräuhaus verwandelt, und verspricht nicht nur vieles, sondern auch gutes Bier zu erzeugen.“

Werbung aus „Der Bote aus dem Waldviertel“, 1. November 1882

Sohn Heinrich wird ebenfalls Braumeister, zieht so wie sein Vater in den Gemeinderat ein und baut: 1886 wird seine neue Dampfbrauerei in der heutigen Ziegengeiststraße eröffnet. Für seine Verdienste erhält er 1913 von Kaiser Franz Josef I. das Goldene Verdienstkreuz verliehen. Er stirbt am 6. Februar 1924. 1928 geht die Brauerei in den Besitz der Schwechater Brauerei AG über und die Produktion wird eingestellt.

Aber seit 2021 brodelt es wieder in den Bottichen, gärt und reift Bier wieder in der Thayastadt…