Die Erstnennung von Waidhofen an der Thaya oder: Nobody is perfect

Die Erstnennung unserer Stadt Waidhofen an der Thaya findet sich in einer Urkunde, die heute im Archiv des Stifts Klosterneuburg liegt (StAK, Hs. 1, fol. 24r-24av). Genannt wird darin ein Ortolfus de Waidehouen, ein Ministeriale (eine Art Beamter) des Adelsgeschlechts der Pernegger. So weit, so nicht ganz unbekannt. Kurios wird es aber, wenn man auf der Urkunde nach dem Datum sucht. Ich verdanke die Entdeckung dieser Besonderheit dem Hinweis von Herbert Krammer, Stiftsarchiv Klosterneuburg.

Stiftsarchiv Klosterneuburg

Die Datumsangabe findet sich auf der zweiten Seite der Urkunde in der ersten Zeile, ca. in der Mitte. Der Text beginnt hier mit „anno ab incarn dm M C XLXX I indict IIIIa II k aprilis feria IIIIa in Pascha“. Ohne auf die genaue Bedeutung einzugehen, die mir Herbert Krammer dankenswerterweise auch mitgeteilt hat, betrachten wir nur die Jahreszahl: MCXLXXI. Wer sich noch ein wenig an römische Jahreszahlen aus dem Schulunterricht erinnert, wird daraus nicht schlau. Das X vor dem L würde die Zahl 40 ergeben, aber was machen dann die beiden X danach da? Bei dem X vor dem L fällt auf, dass es ein wenig heller erscheint, etwas verwischt. Offenbar ist dem Schreiber der Urkunde aufgefallen, dass da etwas mit seiner Jahresangabe nicht stimmen kann und er hat versucht, ganz ohne Radiergummi, Tintenkiller oder Delete-Taste seinen Fehler unkenntlich zu machen. Deutlich lesbar bleibt MCLXXI = 1171. Nobody is perfect.