Das Waidhofner Stadtbuch oder: Einen Vogel hat bald wer … aber so einen?

Seite 1 des Stadtbuchs mit Vogelabbildung

Das Stadtbuch von Waidhofen stammt aus dem 15. Jahrhundert. Damals erhielt jemand den Auftrag, ältere Urkunden in ein Buch einzutragen, um sie damit geordnet zu erhalten. Die Einträge 1 bis 93, Urkunden aus dem Zeitraum 1383 bis 1455, zeigen die gleiche Handeschrift. Ohne hier näher auf Details einzugehen sei gesagt, dass danach bis zu Blatt 48 Eintragungen folgen, die im Jahr 1576 enden. Der Inhalt der Einträge ist durch einen Artikel von Dr. Otto H. Stowasser gut erschlossen (Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich, 1916/17).

Die Seite 1 unseres Stadtbuches hat allerdings Geschichte geschrieben: Sie zeigt einen Vogel mit grünem Federkleid, detailreich und liebevoll ausgeführt. Wer konnte in Waidhofen im 15. Jahrhundert eine derartige Buchmalerei ausführen? Ist der Vogel ein Phantasieprodukt oder die Abbildung eines echten Vogels? Ist das Ornament, in das der Vogel seinen Hals verschlungen hat, reine Dekoration?

FOTO: Dr. Roland und das Waldrapp-Team der Caritas besuchen am 6.7. das Stadtbuch. vlnr: Roswitha Macho, Dr. Martin Roland, Helmut Hutter, Werner Neubauer, Stadtrat Herbert Höpfl, Wolfgang Dangl

Am 5. November 2021 wird uns Dr. Martin ROLAND vom Institut für Mittelalterforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften seine Forschungsergebnisse präsentieren. Er ist Spezialist für mittelalterliche Buchmalerei und kann mit seinem reichen Erfahrungsschatz Vergleiche und Bezüge herstellen.

Denn da wäre ja auch noch die Frage nach dem Papier des Stadtbuchs. Die Papiermacher schöpften den Faserbrei mit Hilfe eines Siebes aus der Bütte. In das Sieb eingearbeitet war mit Hilfe eines Drahtgeflechts ein Muster, das im Papierbogen ein Wasserzeichen hinterlässt. Ein unverwechselbares Kennzeichen für genau dieses Sieb. Findet sich dieses Zeichen auch in anderen mittelalterlichen Büchern in Europa?

Wasserzeichen im Waidhofner Stadtbuch